Neue Reformpläne für die Vormundschaft

Hier finden Sie die Eckpunkte des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) für eine Reform des Vormundschaftsrechts.

Das Vormundschaftsrecht bleibt in Bewegung. Das BMJV hat Eckpunkte für die weitere Reform des Vormundschaftsrechts vorgelegt. Im Einverständnis mit dem Ministerium stellt das Deutsche Institut für Jugendhilfe und Familienrecht e. V. (DIJuF) seinen Mitgliedern und allen Fachkräften, die beruflich Vormundschaften/Pflegschaften führen, an dieser Stelle die Eckpunkte vor. Die Eckpunkte sind im BMJV in einem ausführlichen Diskussionsprozess und unter Beratung von Expert/inn/en und Praktiker/inne/n im Laufe der Jahre 2013/2014 erarbeitet worden. Sie sind die Richtschnur für die nunmehr anstehende Formulierung eines Gesetzentwurfs zur weiteren umfassenden Reform des Vormundschaftsrechts.

Die Praxis der Vormundschaft erhält so die spannende Gelegenheit, die Reforminhalte schon frühzeitig kennenzulernen und erste Überlegungen dazu anzustellen und auszutauschen. Das DIJuF sowie das BMJV werden die Diskussion im Forum mit Interesse verfolgen.

1
25
Ich halte es für das Dringlichste, dass die Höchstzahl von 50 Mündeln pro Vollzeitstelle deutlich gesenkt wird, und zwar auf 30, besser noch 25. Die Zahl 50 ist nie seriös ermittelt worden, sondern resultiert daraus, dass in der Vergangenheit Vormünder teilweise für 100 und mehr Fälle zuständig waren. Da dachte sich wohl der Gesetzgeber, dass eine Festlegung auf 50 eine Erleichterung sein müsse.

Bei der Besetzung/Neueinrichtung von Planstellen ziehen sich Verwaltung und Politik stets auf die Höchstzahl zurück, nicht wissend, dass diese viel zu hoch angesetzt ist. Ist ja auch schön bequem, da muss man sich nicht damit weiter auseinandersetzen, das Gesetz sieht es ja so vor. ich erwarte von einer Reform eine deutlich niedrigere Festschreibung und vor allem die Erläuterung dazu, dass die Ausschöpfung der Höchstzahl nicht die Regel, sondern die Ausnahme sein muss.
24
Dieser Beitrag wurde gesperrt. Der Grund dafür kann sein, dass er den Regeln dieses Forums widerspricht.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an tanja.wittmann@dijuf.de oder schoenecker@dijuf.de.
23
Die Eckpunkte des BMJV stammen von Oktober 2014.
In diesem Forum war der letzte Beitrag von Dezember 2015.
Man findet online keinerlei aktuelle Hinweise auf die Reform.

Hat jemand (evtl. aus dem DIJuF) Informationen über den Stand der Diskussion bzw. des Gesetzesvorhabens?
Das wäre gut zu wissen, bevor man sich weiter den Kopf zerbricht...

Mit kollegialen Grüßen
Keller
22
Hallo,
ich halte die Reformvorschläge für unausgegoren. Vor allem störend ist die geplante Pauschalisierung bei Berufsvormündern(Einzelvormündern:

Wie soll das funktionieren ?
Aus meiner Sicht geht das komnplett an der Realität vorbei. Gerade Berufsvormünder übernehmen häufig (!) 1. Vormundschaften bzw. Ergänzungspflegschaften, bei denen die Amtsvormundschaften um Entpflichtung gebeten hatten, deswegen meist sehr sehr arbeitsintensiv sind ! und 2. werden Berufsvormünder häufig von Richtern und Rechtspflegern für Mündel angefragt, bei denen eine besonders "intebnsive Vormundschaft" notwendig ist.

Beispielsweise "Schulverweigerer": ich kenne mehrere BErufsvormünder/Kollegen, die explizit beim Thema Schuldistanziertheit angefragt werden/wurden und es geschafft haben, dass die Kids wieder in die Schule gehen. entweder war da zuvor eine Amtsvormundschaft drin oder von vornerein klar, dass massiv Zeit investiert werden muss und extrem pragmatisch gehandelt werden musste.

Da stellt sich doch die Frage: Amtsvormundschaften und Richter sind froh, dass es diese Lösungen gibt, warum braucht es da eine Änderung ? Vollkommen unklar bleibt auch, wie eine Pauschalierung sinnvoll sein soll ? Je mehr Wirkungskreise, desto höher die Pauschale ? Was aber, wenn jemand nur "Schulangelegeneheiten" hat und wesentlich mehr tun muss als bei ner "Vormundschaft" ?

sinnvoller wäre es aus meiner Sicht:
Die Amtsvormünder zu entlasten! d.h. ehrlich sein und nur soviele Mündel wie auch machbar sind: aus meiner Sicht sollten wir Amtsvormünder maximal 25 Mündel haben!

Ich vermute außerdem, dass uns eine Pauschalisierung bei Berufsvormündern wesentlich teurer kommen wird. Denn aus meiner Sicht ist das Ziel einer Pauschalisierung einzig und allein dazu da Kostensparen zu wollen (!). Das wird dann dazu führen dass Berufsvormündern nur noch so viel machen bzw. machen können wie sie auch machen können um auf einen einigermaßen sinnvollene Satz zu kommen: und darunter werden die Mündel "leiden". Und dann wird es viel viel teurer !Die Mischkalkulation wird nicht funktionieren ! Ein Verweis auf die erfolgte Pauschalisierung bei Verfahrensbeiständen ist unnötig. Das ist einfach etwas komplett anderes.
Ich finde es auch nicht nachvollziehbar, warum die Pauschalisierung überhaupt ins Spiel gebracht wird: notwendig wäre endlich ene Erhöhung des Stundenlohns für Berufsvormünder und Absenkung der Fallzahlen bei Amtsvormündern !
21
Ich würde gern wissen, wie es gesehen wird, wenn ein Amtsvormund sich an der Rufbereitschaft des ASD beteiligen soll.
Eine Vermischung von Aufgaben soll es ja nicht geben, hier sehe ich unter Umständen einen Rollenkonflikt und wenn es ein fester Bestandteil für die Aufgaben des Vormundes sein soll, müsste dann die Bezahlung nicht auch angeglichen werden an den ASD?

Ich halte es für kritisch die ASD Rufbereitschaft als Amtsvormund inne zu haben, was passiert, wenn ein eigenes Mündel betroffen ist oder eine Vormundschaft aus einer Inobhutnahme reseultiert?

In weit kann man sich gegen eine solche Aufgabe wehren oder gibt es da Erfahrungswerte, wie mit so einem Aufgabenfeld umgegangenen werden soll?
20
Ich würde gerne eine fiktive, keinesfalls ausgereifte Idee in den Raum stellen, um die Diskussion ein wenig von dem Für und Wider welcher Vormund und Ergänzungspfleger am sinnvollsten für das Kind wäre, abzubringen. Alle Vormünder nehmen in der Regel ihre Aufgabe ernst und sorgen sich um bzw. sorgen für das Kind. Welcher Vormund für welches Kind und wann Abgabe sinnvoll oder nicht muss sich immer am Kind orientieren.

Schaffung neue Vormundschaftsbüros
Es soll dahingestellt bleiben, wo diese angesiedelt werden müssten
Eventuell unabhängige verifizierte (ähnlich TÜV) stellen

Meldung aller Vormünder an diese Büros, so entsteht ein Vormundschaftspool
Amtsvormünder
Vereinsvormünder
Berufsvormünder
Ehrenamtliche Einzelvormünder (betreibt aktive Akquise)
Familienmitglieder oder ähnliches (sollen auch vom Jugendamt dorthin gemeldet werden)

Vorschlag nach Einzelfallkriterien aus diesem Pool
Beratung der Fachkräfte anhand eines Fallprofiles (anonymisiert?) und der Prüfung welcher Vormund erscheint als der geeignetste, hier einige mögliche Entscheidungskriterien
• rechtlicher Schwerpunkt
• erforderliche Elternarbeit
• welche Unterbringungsart wird geplant
• wo wird eine Unterbringung geplant
• bleibt das Kind zu Hause ( auch wenn das eigentlich nicht vorkommen sollte)
• der gleiche Vormund für Geschwisterkinder
• vorläufiger Vormund
• und viele andere noch auszuarbeitende Entscheidungskriterien

Wer kann sich an dieses Büro wenden?
• Fallverantwortliche des Jugendamtes für die Anregung an das Gericht
• Das Gericht vor der Auswahl/Wechsel des Vormundes
• Ehrenamtliche die Vormünder werden möchten
• Berufsvormünder melden sich
• Vereinsvormünder melden sich

Das Büro schult die Vormünder
und schafft Standards
• Für QUALIFIKATION Arten der Vormünder
• Überwacht die Standards der Bezahlung
• Bietet Vertretungsregelungen an
• Überwachung der Fallzahlen der einzelnen Vormünder
• Regelmäßig Schulungen durch die Vormundschaftsbüros für die verschiedenen Professionen der Vormünder
• Anlaufstelle und Begleitung für ehrenamtliche Vormünder

Was ist das Vormundschaftsbüro nicht?
Das Büro ist kein zweites Familiengericht
Das Büro ersetzt nicht den Vorschlag der Fallverantwortlichen
Das Büro ersetzt nicht die Anhörung des Kindes bei Gericht
Das Büro könnte für mehrere Gebietskörperschaften arbeiten
Das Büro unterhält Verbindung zu allen anderen bundesweiten Vormundschaftsbüros, der
§ 87 c wird gestrichen und es erfolgt eine Änderung mit Orientierung am Kindeswohl
( siehe Kriterien der Auswahl), bei Abgabe einbeziehen
19
Zu den Eckpunkten für eine weitere Reform des Vormundschaftsrechts gehört aus meiner Sicht die Errichtung einer eigenständigen Vormundschaftsbehörde außerhalb des Jugendamtes. In der jetzigen Organisationsstruktur des Jugendamtes als Amtsvormund/-pfleger einerseits und als Leistungsbehörde nach dem SGB VIII andererseits kommt es nach meinen Erfahrungen als Amtsvormund zu Interessenkollisionen, wenn es Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Amtsvormund und dem Jugendamt über Art und Umfang einer beantragten Jugendhilfe gibt. Diese Meinungsverschiedenheiten können nicht immer durch die Amtsleitung ausgeräumt werden. Wiesner sieht in seinem Kommentar zu SGB VIII in solchen Fällen die Notwendigkeit einer Ergänzungspflegschaft. Auch das Bundesverfassungsgericht erkennt in seinem Urteil vom 17.03.2014 – 1 BvR 2695/13 – diese Schwierigkeit. Dort heißt es u.a. in der Urteilsbegründung: „Sollten Meinungsverschiedenheiten zwischen den Behördenteilen, denen das Recht zur Beantragung öffentlicher Hilfen übertragen wurde, und jenen bestehen, die für deren Gewährung zuständig sind, wären diese – weil innerhalb des Jugendamtes – einer verwaltungsgerichtlichen Klärung nicht zugänglich.“ (JAmt 2014, 406).
Die Schaffung einer eigenständigen Vormundschaftsbehörde würde die Unabhängigkeit der Amtsvormundschaft bei der Wahrnehmung der Mündelinteressen stärken und die unterschiedlichen Rollen von Amtsvormund und Jugendamt deutlicher hervorheben. In familiengerichtlichen Verfahren werden diese Rollen häufig vermischt, wie auch ein Beschluss des BGH vom 19.02.2014 – XII ZB 165/13 – unter Ziff. 25 der Begründung zeigt (siehe FamRZ 2014, S. 734).
Wie die Struktur einer Vormundschaftsbehörde oder „Interessenvertretungsbehörde“ aussehen könnte, zeigen Salgo/Zenz in ihrem Beitrag „(Amts-)Vormundschaft zum Wohle des Mündels – Anmerkungen zu einer überfälligen Reform“ auf (FamRZ 2009, 1384) auf.
18
I Stärkung der Personensorge des Vormundes
1 Subjektstellung des Mündels

- Prinzipiell ist es zu begrüßen, dass die Subjektstellung des Mündels, also eines erziehungsbedürftigen Kindes/Jugendlichen gestärkt werden soll. Gleichzeitig gibt es aber im § 1626 (2) die eindeutige Erfordernis, der Beteiligung des Kindes entsprechend seiner wachsenden Fähigkeiten. Brauchen wir für die Führung der Vormundschaft wirklich etwas Neues? Wobei der Bezug auf den § 1626 Absatz 2 schon jetzt im § 1793 – Aufgaben, Haftung des Vormundes steht!
- Das Gericht soll den Willen des Mündels bei der Auswahl des Vormundes berücksichtigen. Im § 55 Absatz 2 SGB VIII ist mit der ersten Reform des Vormundschaftsrecht die Anhörung des Mündels aufgenommen worden: „Vor der Übertragung der Aufgaben des Amtspflegers oder des Amtsvormunds soll das Jugendamt das Kind oder den Jugendlichen zur Auswahl des Beamten oder Angestellten mündlich anhören, soweit dies nach Alter und Entwicklungsstand des Kindes oder Jugendlichen möglich ist.“ Eine analoge Regelung im BGB ist zu begrüßen.

2 Ausdrückliche Vorgabe für die Erziehungspflicht des Vormundes

- Verpflichtung des Vormundes zur Förderung und Erziehung des Mündels. – Allein diese Formulierung produziert ein Bild, dass der Vormund mit dem Mündel in einer Haushaltsgemeinschaft lebt oder sonstigen alltäglichen Kontakt zum Mündel hat. Dieses findet sich aber nur dort, wo (Pflege)-Kinder einen ehrenamtlichen Vormund aus dem familiären Umfeld ihrer „üblichen Umgebung“ haben. Eine gesetzliche Verpflichtung des Vormundes zur Erziehung des Mündels ist als allgemeine Verpflichtung nicht realistisch. In Rechtsgutachten und Stellungnahmen zur ersten Reform des Vormundschaftsrechts wurde seitens des DIJuF sehr deutlich gemacht, dass die Aufgabe eines Vormundes die Förderung der Erziehung ist. In dieser Leseart ist die klare Unterscheidung der unterschiedlichen Rollen von Vormund und Erziehungsperson enthalten. Mit den neuen Vorschlägen wird dieses wieder aufgeweicht und Konfusion entsteht.
=> unbedingt streichen !!!!

3 Ausdrückliche Grundsätze für die Amtsführung des Vormundes

- Die beiden Unterpunkte „wachsende Fähigkeiten berücksichtigen“ und „Beteiligung an Entscheidungen“ ergeben sich eigentlich schon heute aus den §§ 1793 und 1626 BGB. Siehe Punkt 1 – Subjektstellung des Mündels.
- „Sein Amt ausschließlich im Interesse des Mündels und zu dessen Wohl auszuüben“ – diese Forderung ist ausdrücklich zu begrüßen. Sie stärkt die fachliche Position des „Amtsvormundes“ gegenüber seinen Kollegen aus der wirtschaftlichen Jugendhilfe, die die Kostenkontrolle im Blick haben müssen. Leider wird diese sehr fortschrittliche Idee durch die Vorschläge unter Punkt III (Qualitätsverbesserung in der Amtsvormundschaft) 2. (Steuerungsverantwortung der Amtsleitung im Jugendamt) negiert.
Häufig kommt der Amtsvormund auch aus dem Jugendamt, welches für die Leistung der Erziehungshilfe zuständig – also fallführend und kostenpflichtig ist. Eine „Steuerungsverantwortung“ schließt die Kontrolle der Haushaltsmittel ein. Damit wird gesetzlich ermöglicht, dass im Rahmen „allgemeiner Weisungen“ Haushaltsmittel auf Kosten erziehungsbedürftiger Kinder eingespart werden.
Bei einer grundgesetzlich geschützten kommunalen Selbstverwaltung ist damit zu rechnen, dass dieser Teil, der möglicherweise die Amtsleitung zur Sicherung struktureller Grundlagen für Qualität (Fallzahlen, Zeit für Supervision, …) verpflichtet, im Verlaufe des Gesetzgebungsverfahrens rausfällt.

4.Regelung des Verhältnisses von Vormund und Pflegeperson
- „Der Vormund soll die volle Sorgeverantwortung für die Person und das Vermögen des Mündels tragen; der Pflegeperson soll auch kraft Gesetzes die Befugnis eingeräumt werden, Angelegenheiten der Alltagssorge für den Vormund zu entscheiden.“
Diese Befugnis kraft Gesetzes gibt es schon: Der § 1688 BGB regelt diese Befugnis einschließlich der möglichen Eingrenzungen oder Erweiterungen sowie der Rolle des Familiengerichtes. Die neu gewünschte Ausrichtung „in Vertretung des Vormundes“ ist nicht nur äußerst unbestimmt, sie hebt die Trennung von Alltag und rechtlicher Vertretung auf, wie sie nur bei sorgeberechtigten (biologischen) Eltern anzutreffen ist. Gleichzeitig werden die Erziehungspersonen damit sinngemäß verpflichtet, bei allen Alltagsentscheidungen zu reflektieren, ob diese im Sinne des Vormundes sind.
Das ist nicht praktikabel!!!


- „Dem Vormund soll ausdrücklich vorgegeben werden, die Pflege und Erziehung des Mündels auch bei der Pflegeperson persönlich zu fördern und zu gewährleisten; dabei soll er auf die Belange der Pflegeperson Rücksicht nehmen.“…. „ [der Vormund soll] unmittelbar selbst an der Erziehung beteiligt sein“
Hier ist vollkommen unklar, was unter Erziehung zu verstehen ist. Pädagogische Fachkräfte verstehen möglicherweise etwas anderes als Juristen. Ist Erziehung in diesem Verständnis die Regelung von Beginn und Ende der Nachtruhe, die Beteiligung an Haushaltsaufgaben, die Besuche von Freunden im Haus, …?
Hier besteht auf alle Fälle Klärungsbedarf. In dieser gut gemeinten Formulierung wird eine klare und praktikable Aufgabenteilung zwischen Vormund und Erziehungsperson eher verhindert als gefördert.

II Stärkung der personellen Ressourcen in der Vormundschaft

3 Vorrang ehrenamtlicher Vormundschaft

- In den §§ 1791 a und 1791b BGB ist bisher jeweils formuliert, „Ist eine als ehrenamtlicher Einzelvormund geeignete Person nicht vorhanden“ – Es ist zu begrüßen, dass der Vorrang ehrenamtlicher Vormundschaft im BGB klarer formuliert wird. Auch soll der Vormund „eine familiär geprägte Beziehung zum Mündel“ haben. Pflegeeltern erfüllen in den meisten Konstellationen genau diese Wünsche. Dennoch sollte es keine Generalvermutung, der Kindeswohldienlichkeit der ehrenamtlichen Vormundschaft durch die Pflegeeltern im Gesetz formuliert werden.
17
Ich möchte darauf hinweisen, dass die derzeitigen Regelungen in § 87c Abs. 2 und 3 SGB VIII sowie deren Handhabung in der Rechtspraxis erhebliche rechtsdogmatische Probleme aufwerfen. Das in den Einzelheiten darzustellen, würde diesen Beitrag und diesen Rahmen sprengen. Ich verweise dazu auf meine Darstellung der Probleme in einem im letzten Jahr neu erschienenen Fachkommentar zum SGB VIII (dort zu § 87c in Rn. 21 ff und Rn. 58 ff), den ich hier wegen des Werbungsverbotes nicht nennen will.

Unter rechtsdogmatischem Blickwinkel aber auch, um der Rechtspraxis eine höhere Rechtsicherheit zu verschaffen, sollte die geplante Reform genutzt werden, sich erneut des gesetzgeberischen Konzepts zur Bestimmung des gesetzlichen und des bestellten Amtsvormunds zu vergewissern und dieses dann in rechtsdogmatisch klarer und eindeutiger Form umzusetzen.
16
Sehr geehrte Frau Wethmüller,

vielleicht habe ich mich auch missverständlich ausgedrückt, jedenfalls möchte ich gerne noch einige Dinge klarstellen.

Ich kenne aus meiner beruflichen Praxis viele Pflegeeltern außerhalb meines Zuständigkeitsbereichs, in deren Haushalt meine Mündel vermittelt wurden und dort bereits andere Pflegekinder leben, deren Vormundschaft dementsprechend durch ein anderes Jugendamt geführt wird. Immer wieder höre ich, dass sich dieser Vormund seit Jahren nicht hat blicken lassen, für Fachgespräche und Termine nicht zur Verfügung steht usw. Eine Familie kannte den entsprechenden Vormund gar nicht!
Weshalb dies so ist, bzw. scheinbar vom Gericht und/oder Amtsleitung hingenommen wird, weiß ich nicht, aber tatsächlich sind dies Erfahrung, die Pflegeeltern offensichtlich auch machen. Es handelt sich daher um eine Erfahrung aus der Praxis, daher darf darüber auch ruhig gesprochen werden.
Meine Ansicht ist dahingehend nur, dass eine konkretere Bezeichnung der Aufgaben in einer erneuten Vormundschaftsrechtsreform wohl kaum eine Besserung dieses (!) Zustands erreichen wird.

Ich hatte mitnichten die Absicht, die ermüdende „wir gegen die“ Diskussion zu starten. Jede Fachrichtung hat ihre speziellen Wissensgebiete, den Rest muss man sich halt aneignen. Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass es notwendig ist, um in der Kinder- und Jugendhilfe zu arbeiten, eine Fachausbildung oder ein Studium nachzuweisen. Stationäre wie ambulante Jugendhilfeeinrichtungen haben ihre Betriebserlaubnis gemäß ihrer Konzeption, so dass nur Mitarbeiter mit einer entsprechenden Fachausbildung dort arbeiten dürfen, um z.B. schwer traumatisierte Kinder- und Jugendliche zu betreuen. Um dort zu arbeiten reicht eben nicht nur der „gesunde Menschenverstand“. Um als Amtsvormund tätig zu sein, muss man gem. § 72 SGB VIII ebenfalls eine „Fachkraft“ sein (z.B. Verwaltungsmensch, Pädagoge etc.), was ich für vollkommen richtig und sinnvoll halte.
Die Frage stellt sich, weshalb man als ehrenamtlicher Vormund keine Fachkraft sein muss, sondern der gesunde Menschenverstand ausreichen soll, und dann auch noch generell vorrangig ist.
Als wären in der Funktion des ehrenamtlichen Vormundes keine Fachkenntnisse notwendig, bzw. wäre dieses Wissensdefizit durch Menschenverstand und ein bisschen Beratung durchs JA wieder wett zu machen.
Dies führt meiner Meinung nach zu einer Abwertung der Tätigkeit des Amtsvormundes, der im Laufe seiner Karriere vermutlich auch einen Haufen an fachspezifischen Fortbildungen genossen hat, wenn es denn Anschein erweckt, als dass man nichts außer Menschenverstand mitbringen bräuchte. Vor allem wird es aber dem Bedarf nicht gerecht, den die Kinder, die heutzutage unter Vormundschaft stehen, nicht gerecht.
Die historisch bedingte Vorrangigkeit des Ehrenamtlichen hat nichts mehr mit dem heutigen Bedarf der Kinder- und Jugendhilfe gemeinsam!

Mir sind die gängigen Begründungen zur Pflegeeltern als Vormünder bekannt, sowie auch der Beratungsanspruch ehrenamtlicher Vormünder beim Jugendamt. Allerdings wird die Entscheidung, ob Pflegeeltern als Vormünder geeignet sind, eben nicht (ausschließlich) durch die Frage definiert, ob es eine Rückkehroption zu den Herkunftseltern gibt. Selbst bei Dauerpflegen soll weiterhin darauf hingearbeitet werden, dass die Bedingungen in der Herkunftsfamilie soweit wieder hergestellt werden können, dass die Kinder zurückkönnen (siehe § 37 SGB VIII und aktuelle Rechtsprechungen des BGH bzw. VerfG!).
Die Rechtsprechung geht generell davon aus, dass (gem. der Gesetzesvorgabe) Pflegeeltern regelmäßig geeignete Vormünder seien, daher wäre ihnen regelmäßig auch die Vormundschaft zu übertragen.
Ich frage daher provokant, weshalb nicht alle deutschen Amtsvormünder beantragen, die Vormund-schaft des JA auf die Pflegeeltern als ehrenamtliche Vormünder übertragen zu lassen.
Tatsächlich gibt aus rein fachlicher (und eben nicht rechtlicher) Sicht viele Gründe, dies eben nicht zu tun. Angefangen bei der noch im Raum stehenden Rückkehroption, über die generelle Skepsis gegenüber dem Rollenkonflikt (Antragsteller & Hilfeleister in Personalunion) bis hin zur Ungeeignetheit im Einzelfall aus fachlichen Gründen. Einige bekannte und geschätzte Namen im Bereich des Familienrechts weisen meiner Meinung nach zu recht auf den soeben besagten Rollenkonflikt hin. Dies ist daher nicht nur eine Einzelmeinung, sondern es gibt da scheinbar vermehrt diesbezüglich Bedenken.

Ich glaube nach wie vor, dass es sinnvoll sein kann, Pflegeeltern Pflegschaften oder Vormundschaften zu übertragen. Das habe ich natürlich auch schon selbst veranlasst.
Allerdings sollte dies tatsächlich einzelfallbezogen passieren und nicht durch eine im Gesetz verankerte Vorrangigkeit.
1